Projektdetails
- Architekt: Jadric Architektur ZT GMBH
- Projekt: 72 Manor Project, Zhelin Lake, China
- Projektteam: Tsegmidsuren Enkhbtaatar, Angelos Sifonios, Li Ang, Yu Siliang
- Statikkonzept: DI Igor Budai ZT GMBH, Vienna
- Energiekonzept: Goran Papo ZT, Vienna
- Terrassenfläche: 68.50 m²
- Gesamtnutzfläche innen: 403.00 m²
- Skywalk (außen): 878.00 m²
- Programm: Art and Architectural Laboratory
- Planungszeitraum: 2015-2016
Projektbeschreibung
„Was von verwandter Natur ist, muss geliebt werden. (Was im Widerspruch und in Feindschaft mit sich selbst steht, wird kaum mit etwas anderem in Harmonie sein.)“ – Plato, Lysis 215e
Ein Haus mit zwei Gesichtern.
Das eine ist öffentlich und für alle zugänglich, das andere privat und intim. Das eine ist ein Weg durch den Wald, das andere ein Auge, das die unberührte Natur umschließt. Das eine richtet sich auf die natürliche Umgebung, das andere schmiegt sich in die Baumwipfel und lässt kreative Ideen entstehen und fließen. Das eine öffnet sich dem Himmel und den Baumkronen, das andere ist ein schwebendes Vordach, das die innerhalb des Gebäudes gelegenen Werkstätten schützt. Dieses Gebäude beruht sowohl auf chinesischen als auch auf internationalen architektonischen Prinzipien.
Ein Haus für die Gemeinschaft.
Das Haus als soziales Gerüst für die gesamte Gemeinschaft – sowohl für das Dorf als auch für die Künstlerkolonie. Anstatt eine Zufahrtsstraße zu bauen, bietet dieses Haus eine Alternative: Es selbst wird zur Plattform mit atemberaubender Aussicht und dient gleichzeitig als Fußweg. Die ersten 250 Meter sind lediglich ein Pfad durch den Wald, der sich in eine Fußgängerbrücke verwandelt und schließlich zum Dach eines Architekturlabors wird, in das man von oben hinabsteigt. Neben dem Architekturlabor und einem Ausstellungsraum beherbergt das Gebäude auch ein kleines „Wiener“ Café – eine kulturelle Verbindung zwischen dem Architekten und der lokalen Tradition.
Ein Haus für Bildung.
Lernen und Wissen sind der Schlüssel zu jeder Entwicklung. Lebenslanges Lernen ist Teil unserer Realität geworden. Dieses Haus soll Architekturstudenten aus ganz China und dem Ausland die Möglichkeit geben, gemeinsam zu lernen und zukünftige Wohnkonzepte zu erforschen – nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch, um Alternativen zu zeitgenössischen Dogmen der Urbanisierung zu erarbeiten. Das Labor soll ein Ort sein, an dem verschiedene Konzepte und Materialien getestet und Menschen ausgebildet werden, die wiederum andere unterrichten und damit die kulturelle Mission des 72-Manor-Projekts weitergeben.
Ein Haus im Einklang mit der Natur.
Und nicht umgekehrt. Die Form des Hauses ergibt sich aus der Beziehung zur Natur. Auf seinem Weg durch den Wald weicht der Skywalk den bestehenden Bäumen aus und schlängelt sich um sie herum – so wird er selbst Teil dieser Natur. Die gesamte Insel ist ein Garten, und dieses Haus ist ihr Spazierweg und ihre Aussichtsplattform. Seine Höhe überfordert oder beschädigt die Natur darunter nicht.
Ein gesundes Haus aus lokalen Materialien.
Seine gesamte Ästhetik basiert auf der Verwendung natürlicher Materialien. Die Struktur besteht aus Stahl – ein Skelett, das auf eleganten Stahlstützen steht. Innen bestehen die Wände aus Holzpaneelen, die Seitenfassaden aus Glasflächen. Außen ist das gesamte Haus mit einem Stahlgeflecht umhüllt, das sowohl als Sonnenschutz als auch als Fassadenmaterial dient. Das Dach ist gleichzeitig Eingangsbereich und begehbare Plattform. Die Leichtigkeit der verwendeten Materialien spart Energie und ermöglicht es, dass die Konstruktion von den schlanken Stützen getragen wird.
Architektur für Menschen.
Dieses Haus bringt alle Nachbarn zusammen – es ist ein Ort für alle: Dorfbewohner, Kunststudenten, Gäste und zufällige Besucher.
Ein Haus der Inspiration.
Seine Originalität liegt in der Symbiose seiner zwei Gesichter – des öffentlichen (Außen-) und des privaten (Innen-) – zu einer harmonischen Einheit. Das Gebäude ist zugleich Infrastruktur und Haus, Arbeitsort und Ort für kreatives Denken. Solche besonderen Orte sind hochinspirierend.
Wichtige Details:
Das Projekt basiert auf statistischen Annahmen und nicht auf exakten Daten, wie etwa Bodenproben oder Windmessungen, die noch zu erheben wären.

Wie auf den beigefügten Visualisierungen zu sehen ist, besteht die Hauptabweichung vom ursprünglichen Entwurf in der Fassade: Statt Holz schlagen wir aus Sicherheitsgründen, aber auch wegen des besseren Sonnenschutzes, verwitterten Stahl vor. Dieses Material entspricht zudem besser dem Charakter des gesamten Gebäudes. Nur der Bodenbelag und das Geländer des Skywalks sollen aus tropischem Hartholz (Shorea/Lauan) bestehen. Alles andere sollte aus Cortenstahl gefertigt werden. Der Fußweg durch den Wald soll aus Holz- oder Betonelementen bestehen, die direkt in den Boden eingelassen sind.